Die Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) ist die Interessenvertretung und Serviceorganisation des organisierten Sports in Österreich.

Sommergespräche 2009

„Frauen in den Sportmedien“

Sommergespräch der BSO Kommission „Frauen im Sport“
3. Juni 2009

Einer aktuellen Studie zufolge handeln nur 14 Prozent aller Sportberichte von Frauen. Sind Frauen in den Sportmedien tatsächlich unterrepräsentiert?

Bei einer Podiumsdiskussion, initiiert durch die Kommission „Frauen im Sport“ der Österreichischen Bundes-Sportorganisation, zum Thema „Frauen in den Sportmedien“ gingen am 3. Juni 2009 im Haus des Sports Teilnehmer aus Sport und Medien dieser Frage auf den Grund. Ihr Tenor: Frauen werden „strenger beurteilt“, sie sollen „Stereotypen entsprechen“ und sie „üben generell zu wenig Sport aus“, um mehr in den Medien vertreten zu sein.
Eine ausgeglichen zusammengesetzte Runde - bestehend aus Elisabeth Auer (ATV), Claudia Heill (Judo) und Marion Trska (Sporting Woman Magazin) einerseits sowie Hans Huber (ORF), Martin Sörös (Kurier) und Helmut Brandstätter (Moderation) andererseits - setzte sich sowohl mit der Frage der Repräsentanz von weiblichen Sportlern in der Sportberichterstattung als auch mit der nach dem Anteil von Frauen im Sportjournalismus auseinander.
In ihrem Impulsreferat trat Veronika Slupetzky den Beweis an: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Sport vorwiegend eine Männerdomäne ist. Der Anteil an Männern im Sportjournalismus liegt bei rund 90 Prozent“, betonte die Sportredakteurin des ORF. Sie präsentierte die männliche Dominanz in den Sportmedien anhand einer Studie, in der 1.751 Sportbeiträge aus Fernsehen und Zeitungen untersucht wurden. „Dabei zeigte sich, dass es in 75 Prozent aller analysierten Berichte nur oder fast ausschließlich um Männer geht, während in nur 14 Prozent der Berichte Frauen im Vordergrund standen. In 11 Prozent der Fälle war das Verhältnis ausgeglichen.“
Dem Argument, wonach Frauen sowohl in den Sportmedien als auch im Sportjournalismus einen ungleich schwereren Stand hätten, entgegnete Hans Huber, Sportchef des ORF: „Wir haben in unserer Redaktion sehr wohl auch einige Sportjournalistinnen. Außerdem will ich die Aussage, dass Fußball nichts für Frauen wäre, nicht stehen lassen. Als mich Katharina Krutisch, die früher für unser Studio im Burgenland tätig gewesen war, fragte, ob sie Berichte über das Quartier der österreichischen Nationalmannschaft bei der EURO 2008 machen könnte, war ich anfangs skeptisch. Sie hat ihre Geschichten aber ausgesprochen gut gemacht und ich habe sie deshalb kurz darauf in unser Team der Sportredaktion geholt.“

Elisabeth Auer, Sportmoderatorin beim ATV, stellte in ihrer Wortmeldung klar und deutlich dar: „Wenn in Sportberichten Fehler passieren, werden sie bei Frauen strenger beurteilt. Ich wünsche mir von den Frauen mehr Mut. Sie sollten bestehende Traditionen brechen und viel mehr in diesen Bereich vordringen.“
Als aktive Sportlerin, die bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen im Judo die Silbermedaille gewonnen hatte, berichtete Claudia Heill von zweideutigen Anspielungen und einer tendenziell steigenden Berichterstattung über Spitzensportlerinnen: „Aussagen wie: Wie oft legst du die Männer aufs Kreuz? bekommen wir immer wieder zu hören. Hinsichtlich der Präsenz in den Sportmedien hat sich das Verhältnis aber gerade bei uns im Judosport geändert. Ich denke, dass Frauen mittlerweile häufiger als Männer vertreten sind.“

Dass Frauen in den Sportmedien gerne als attraktiv, dafür manchmal aber als weniger sportlich präsentiert werden, bekräftigte Marion Trska (Sporting Woman Magazin): „Mir ist aufgefallen, dass für Sportberichte über Frauen immer nur schöne Fotos ausgesucht werden, die ästhetisch sind und gewissen Stereotypen entsprechen. Auch als Sportjournalistinnen wird uns gerne die nötige Kompetenz abgesprochen. Ich hatte sogar Kolleginnen, die sich deshalb wieder in den Kulturbereich zurückgezogen haben.“

Ein Hauptargument für die mangelnde Berichterstattung über Frauen in den Sportmedien lag für Martin Sörös (Kurier) vor allem darin, „dass sie generell zu wenig Sport ausüben. Nicht einmal 50 Prozent aller Frauen gehen einer sportlichen Aktivität nach. Der Sport ist männerdominiert. Auch im Sportjournalismus: Ich bin nun seit ungefähr 25 Jahren beim Kurier und habe in diesem Zeitraum erst mit vier Journalistinnen den Weg gekreuzt. Mittlerweile ist aber keine von ihnen mehr bei uns.“

Die Impulse des ersten BSO Sommergesprächs werden als Grundlage für eine geplante zweitägige Fortbildungsveranstaltung in Wels am 16. und 17. Oktober 2009 dienen.