Die Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) ist die Interessenvertretung und Serviceorganisation des organisierten Sports in Österreich.

Forum Alpbach 2017

Der Sportverein ist ein sozialer Gesundheitsmotor

Im Rahmen der Gesundheitsgespräche beim diesjährigen Forum Alpbach moderierte die Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) die Partner Session „Der Sportverein als Gesundheitsmotor“.

 

Dr. Hans-Peter Hutter, Vorstand „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“: „Psychosozialer Nutzen ist Alleinstellungsmerkmal des Sportvereins“

BSO-Präsident BM a.D. Rudolf Hundstorfer: „Brauchen Offensive für ein ‚Ehrenamt neu‘! Staat muss Rahmenbedingungen für Vereine weiterentwickeln und ehrenamtliche Tätigkeit als steuermindernd anerkennen“

Dr. Helmuth Brath, erster Sekretär der Österreichischen Diabetes Gesellschaft: „Diabetes-Tsunami kann gestoppt werden! Finanzierung von Bewegungsangeboten in Sportvereinen wäre lohnende Investition“

 

Menschen mit intakten sozialen Beziehungen können besser mit gesundheitlich belastenden Verhältnissen umgehen. Der Sportverein ist Plattform für soziale Beziehungen, deren positiven Effekte bisher zu wenig beachtet werden. Im Rahmen der Gesundheitsgespräche des Europäischen Forum Alpbachs wurde in der von der BSO getragenen Partner Session „Der Sportverein als Gesundheitsmotor“ aufgezeigt, dass die Leistungen der Sportvereine beeindruckende und zum Teil auch überraschende Wirkungen für die Gesellschaft und den Einzelnen erzielen.

 

Sportvereinsmitglieder sind mit ihrem Leben zufriedener

Hans-Peter Hutter, Vorstand „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“, zeigte die wichtige Verbindung von Vereinsleben und Gesundheit auf. Neben den vielfach belegten positiven Effekten durch die im Sportverein angebotene Bewegung seien damit zusätzliche Effekte aufgrund der sozialen Komponente zu erwarten. Dieser zusätzliche psychosoziale Nutzen stelle ein Alleinstellungsmerkmal des Sportvereins im Gegensatz zu selbstorganisiertem Sport dar.

Folgende wissenschaftlich erforschte Erkenntnisse lassen sich dazu aus Studien ableiten:

         Die aktive Mitgliedschaft im Sportverein in der Jugend trägt zur Eingliederung in die Gesellschaft bei (und schützt Jugendliche davor auf die schiefe Bahn zu geraten).

         Die aktive Mitgliedschaft im Sportverein stärkt das Selbstvertrauen von Jugendlichen, insbesondere von Mädchen.

         Die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit (z. B. Vitalität). Diese sind stärker als beim selbstorganisierten Sporttreiben.

         Sportvereinsmitglieder sind mit ihrem Leben zufrieden(er).

         Die Mitgliedschaft in einem Sportverein macht Spaß und bringt soziale Unterstützung mit sich. Dies führt auch zu einer regelmäßigeren sportlichen Betätigung.

 

Ehrenamtliche Tätigkeit fördert soziale Integration und Solidarität

Rudolf Hundstorfer, Präsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation, unterstrich die Bedeutung des freiwilligen Engagements, nicht nur in der Sinnstiftung für den Einzelnen, sondern auch in ihren Wirkungen für die gesamte Gesellschaft. Ehrenamtliche Tätigkeiten würden die soziale Integration und Solidarität fördern, die Beteiligung von BürgerInnen ermöglichen und damit zur Förderung der Zivilgesellschaft beitragen. Außerdem sei die volkswirtschaftliche Rentabilität nicht außer Acht zu lassen, da auch Güter und Dienstleistungen produziert werden, die sich die Gesellschaft sonst nur mit wesentlich mehr finanziellem Aufwand leisten könnte oder Kürzungen an anderen Stellen durchgeführt werden müssten.

Im Bereich Sport engagieren sich rund 576.000 Menschen freiwillig und leisten damit fast 2,2 Millionen Arbeitsstunden wöchentlich. Der organisierte Sport bietet mit über 15.000 Vereinen zahlreiche Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Mit diesem Netzwerk seien Sportvereine starke Partner, die oftmals unterschätzt werden würden. Natürlich stehen auch die Sportvereine in der heutigen Gesellschaft unter einem hohen Professionalisierungsdruck. Es sei daher notwendig, dass der Staat, die Rahmenbedingungen für Vereine auch dementsprechend weiterentwickelt.

„Wir brauchen eine Offensive für ein ‚Ehrenamt neu‘, um die vielfältigen positiven Wirkungen auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten. Es muss uns gelingen, die Begeisterung der zigtausenden Freiwilligen am Leben zu erhalten und auch den nächsten Generationen noch die Übernahme freiwilliger Verantwortung in der Gesellschaft lohnend zu gestalten", richtete der BSO-Präsident einen Appell an die Politik.

 

Sportvereine bringen entscheidenden Vorteil für Betreuung von Diabetes-PatientInnen

Diabetes Typ 2 ist die Krankheit, die den größten Anteil an durch Bewegungsmangel hervorgerufen Kosten der österreichischen Volkswirtschaft verursacht. Helmuth Brath, erster Sekretär der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, führte aus, dass in Österreich 650.000 Menschen von der Diabetes-Erkrankung betroffen seien und die Zuwachsraten in unserer postindustriellen Gesellschaft weiter steigen würden. Dieser Diabetes-Tsunami könne aber sehr wohl gestoppt werden: Etablierte Studien aus Finnland und den USA beweisen, dass bei regelmäßiger Bewegung und gleichzeitiger Gewichtsreduktion um nur 5% das Diabetesrisiko um 60% gesenkt werden kann. Bewegung trägt dabei wesentlich mehr bei als die Gewichtsabnahme. „Die Depression ist der beste Freund des Diabetes“, so Brath. „Als Diabetes Gesellschaft fordern wir daher in der Österreichischen Diabetesstrategie die Installation eines Bewegungsberaters bzw. einer Bewegungsberaterin.“

In der praktischen Erfahrung der Diabetesambulanz habe sich gezeigt, dass bloße Beratung und die Überweisung zu einem Bewegungseinstieg für die Zielgruppe der Diabetes-PatientInnen zu wenig sei. „Sportvereine bringen einen ganz entscheidenden Vorteil für die erfolgreiche Betreuung von Diabetes-Patienten und -patientinnen mit, nämlich das richtige soziale Umfeld und den Spaß am gemeinsamen Sportteiben als Motivationselement. Das Modell des Diätologen und der Ernährungsberatung funktioniert in Österreich kassenfinanziert gut. Ein solches Modell brauchen wir auch für Bewegung. Wir brauchen Bewegungsberatung als Brücke zwischen Medizin und Sportvereinsangeboten. Wir, als Mediziner, müssen in Sportvereine gehen und den Vereinen den richtigen Umgang mit Diabetikerinnen und Diabetikern lehren“, so Brath. „Diabetes ist in der Behandlung eine sehr teure Krankheit. Da wäre die Finanzierung von Bewegungsangeboten in Sportvereinen für die Gesellschaft eine lohnende Investition.“

Über ein innovatives Voting-Tool wurden die TeilnehmerInnen der Partner Session der BSO in die Diskussion einbezogen. Mithilfe ihrer Smartphones konnten sie die Aussagen der Vortragenden am Podium beurteilen und ihre eigene Meinung einbringen.

Einig waren sich die ExpertInnen der Gesundheitsgespräche des Europäischen Forum Alpbachs in ihrem Fazit, dass Prävention durch Bewegung im österreichischen Gesundheitssystem bislang zu wenig Aufmerksamkeit und Ressourcen erhält.

 

Hundstorfer: „Nützen wir arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für Sportvereine!“

Angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl erhob BSO-Präsident Hundstorfer in seinem Resümee Forderungen an die Politik, um Sportvereine in Zukunft noch besser zu unterstützen. Dazu zählen die Öffnung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie die „Aktion 20.000“, des Zivildienstes oder des Freiwilligenjahres für Sportvereine. Das Steuersystem müsse ehrenamtliche Leistungen als steuermindernd anerkennen und Freiwilligentätigkeit solle in öffentlichen Ausschreibungen ein positives Bewertungskriterium darstellen.

 

Hans-Peter Hutter, Vorstand „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“, BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer, Moderatorin Gabi Jahn und Helmuth Brath, erster Sekretär der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. (v.l.n.r.) Foto: BSO