Die Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) ist die Interessenvertretung und Serviceorganisation des organisierten Sports in Österreich.

ENGSO Forum 2014

Das 17. ENGSO-Forum widmete sich dem Bereich Sportunterricht und sportliche Aktivitäten in der Schule. Im Mittelpunkt standen dabei die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Frühes Engagement in körperlicher Aktivität ist einer der effizientesten Wege, um einen lebenslangen aktiven Lebensstil zu garantieren. Heute, da Fettleibigkeit bei Kindern Rekordniveau erreicht und das Leben unserer Kinder sowie der älteren Generation gefährdet, ist es sogar noch wichtiger körperliche Aktivität zu fördern. Die Schule stellt eine Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen dar, in der Chancen für alle geschaffen und zu körperlicher Aktivität angeregt werden soll. Darüber hinaus leisten Schulen einen Beitrag zur Aufklärung einer gesunden Lebensweise für Kinder und ihre Familien.

In drei Sessions wurde einerseits der wissenschaftliche Zugang zu Bewegung und Sport in der Schule diskutiert, nationale und europäische Strategien und Programme vorgestellt und auf einzelne europäische Good Practice Beispiele eingegangen.

EU-Seminar

Zu Beginn berichteten im EU-Seminar Agata Dziarnowska (European Commission, Sport Unit, www.ec.europa.eu/sport), Heidi Pekkola (ENGSO, www.engso.eu) und Francois Tricarico (EPAS, Council of Europe, www.coe.int/epas) über die momentanen Entwicklungen auf EU-Ebene: Der Ungarische EU-Kommissar Tibor Navracsics ist für die Periode 2014-2019 in der Europäische Kommission zuständig für die Bereiche Bildung, Kultur, Jugend und Sport – Sport erhält damit erstmals Berücksichtigung bereits in der Bezeichnung eines Ressorts. Die drei Schwerpunktthemen des EU-Arbeitsplans für Sport 2014-2017 (Download unter www.eur-lex.europa.eu) sind: Integrität, die wirtschaftliche Dimension des Sports, Sport und Gesellschaft. Fünf Expertengruppen befassen sich mit den Themen Spielabsprachen, Good Governance, Wirtschaftliche Dimension, Gesundheitsfördernde körperliche Aktivität, Entwicklung der Humanressourcen im Sport. Die ENGSO hat einen Beobachter-Status (Observer) in diesen fünf Expertengruppen. Eine zusätzliche Priorität wird im Bereich Anti-Doping gesetzt, dafür wird jedoch keine eigene Expertengruppe eingerichtet. Finanzielle Unterstützung der EU wird über das Programm Erasmus+ Sport gewährt. 2015 gibt es zwei Deadlines für die Einreichung: Projekte im Rahmen der European Week of Sport durchgeführt werden und andere Projekte (Informationen unter www.ec.europa.eu/sport). Die European Week of Sport findet in der zweiten Septemberwoche (7.-13. September 2015) statt. Europaweit werden nationale und lokale Veranstaltungen stattfinden, die Sport und körperliche Aktivität für alle fördern. Die Europäische Kommission übernimmt die Gesamt-Koordination, in den Mitgliedsstaaten werden Koordinatoren bestellt, die die Aktivitäten im jeweiligen Land organisieren bzw. koordinieren.

Session 1: Wissenschaftlicher Zugang zu Bewegung und Sport in der Schule

In der ersten Session des Forums präsentierten Rosa Diketmüller (Universität Wien), Richard Bailey (International Council of Sport Science and Physical Education) und Barbara Rácz (Italian University of Sport and Movement) Erkenntnisse und Ergebnisse aus aktuellen Studien. Gesundheit spielt eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft und Bewegung leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Dem Sportunterricht in der Schule fallen daher neben der körperlichen Betätigung auch Aufgaben wie Erziehung, Bildung, Erholung, Fitness und Gesundheit zu. Gerade die ersten Jahre des Lebens ermöglichen – durch den natürlichen Bewegungsdrang – eine große Chance, um ein lebenslanges Commitment zu Bewegung und Sport zu ermöglichen. Den PädagogInnen und TrainerInnen kommt somit die Aufgabe zu, Kindern positive Erfahrungen mit unterschiedlichen Bewegungsformen und Sportarten zu ermöglichen. Neben dem natürlichen Drang sich zu bewegen und Spaß und Freude zu erleben, erhalten Bewegung und Sport auch die Vermittlung von Werten wie Gesundheit und soziales Lernen zugeschrieben. Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport fördern und beeinflussen verschiedene Bereiche in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (und später natürlich auch von Erwachsenen), die vor allem die physische, emotionale, soziale, individuelle und intellektuelle Entwicklung betreffen. Als ein Beispiel zur integrierten Bewegung im Unterricht wurde eine Studie zu Plurilingualism präsentiert, in welcher der Zusammenhang von Bewegung und Sprachlernen erforscht wird.

Session 2: Nationale und europäische Strategien und Programme

Die zweite Session widmete sich nationalen und europäische Strategien und Programmen. Rose-Marie Repond stellte das Pestalozzi Programm vor, das eine professionelle PädagogInnen-Ausbildung fokussiert. Die eigene Praxis soll dabei reflektiert und unterschiedliche Unterrichtsmethoden ausprobiert werden. Dabei wird auf die Menschenrechtserklärung Bezug genommen. Mikkel Nørtoft Magelund (NOC und Sports Confederation of Denmark) präsentierte Erfahrungen aus Dänemark, wie durch Lobbying-Arbeit auf die nationale Schulpolitik eingewirkt werden kann. In Dänemark wurde mit diesem Schuljahr der Lehrplan der öffentlichen Schulen umgestellt und beispielsweise 45 Minuten Bewegung täglich verankert (im Regelunterricht und integriert in andere Fächer). James Allen (Sport and Recreational Alliance UK) stellte aktuelle Entwicklungen in der britischen Schulsportpolitik dar. Mit den „Taster days“ erhalten hier Kinder die Möglichkeit, viele unterschiedliche Sportarten kennenzulernen und auszuprobieren.

Session 3: Europäische Good Practice Beispiele

In der abschließenden Session wurden einzelne europäische Good Practice Beispiele vorgestellt. Erwin Apitzsch (Swedish University Sports Federation) präsentierte das „Couch Potatoe“-Projekt: In einem dreijährigen Projekt werden in StudentInnen-Sportvereinen neue Angebote speziell für wenig aktive Studierende kreiert. Zusätzlich dazu werden Workshops angeboten und ein Handbuch erstellt. Das Projekt läuft derzeit noch, der Zuspruch und die Nachfrage sind groß. Guro Røen (Akershus Regional Sports Confederation, Norwegen) stellte das YouMe – Young Mentors Programm vor: Dabei werden Jugendliche in Leadership, Sport und Bewegung ausgebildet und tragen diese Erfahrungen in ihre jeweiligen Schulen, die als Partner am Projekt teilnehmen. Dort geben sie dies im Sinne einer Peer-Education an ihre MitschülerInnen weiter bzw. führen Bewegungseinheiten mit den MitschülerInnen durch.


Link zur ENGSO-Website: www.engso.eu